Back to top

Mehr Klarheit bei Gentechnik

08. November 2013
 | 
Energie & Technik

Die Frage, was ist Gentechnik und was nicht, muss nach Ansicht der Assoziation ökologischer Lebensmittelhersteller (AöL) auf gesetzlicher Ebene neu
definiert werden. Angesichts der Diskussion um die CMS-Züchtungsmethode*, die zu großer Verunsicherung bei Landwirten, Verbrauchern und Bio-Lebensmittelherstellern geführt hat, plädiert der geschäftsführende Vorstand der AöL, Alexander Beck, für eine grundsätzliche Neubetrachtung und eine klarere und sauberere Abgrenzung von Gentechnik und herkömmlicher Pflanzenzüchtung.
Im Zentrum solle dabei nicht mehr allein die Definition stehen, wonach nur die Artengrenzen überschreitende Neukombinationen von genetischem Erbmaterial als Gentechnik zu betrachten sind. Nach der jetzigen Definition falle die CMS-Hybridtechnik nicht unter die Gentechnik, obwohl es sich hierbei um eine Zellfusionstechnik handelt. CMS Hybriden könnten also theoretisch auch in der biologischen Landwirtschaft eingesetzt werden. „Aus meiner Sicht sollte die Trennlinie in der Definition des Begriffs Gentechnik deutlicher
gezogen werden. Für die Öko-Branche ist die „Integrität der Zelle“ ein wichtiger Tatbestand. Wird diese Integrität der Pflanze etwa durch die Verschmelzung von Zellmaterial verletzt, ist nach unserer Auffassung eine kritische Grenze überschritten. Zwar werde bei dieser Methode nicht in das Erbgut auf DNA-Ebene der Pflanzen eingegriffen, es wird aber die Unversehrtheit der Zelle verletzt, was mit den Prinzipien des ökologischen Landbaus unvereinbar ist.“
Bisher haben nur eine Reihe von Unternehmen und einige Anbauverbände die Verwendung von CMS-Saatgut untersagt, obwohl sie nach EU-Recht bisher nicht unter das Gentechnikrecht fällt. Damit können nach der EG-Ökoverordnung arbeitende Betriebe weiter CMS Hybride anpflanzen. „Dies muss im Zuge einer gesetzlichen Klarstellung beendet werden“, fordert Beck, um Verbrauchern, Landwirten und Herstellern Sicherheit zu geben.
*Bei der CMS-Technik (Cytoplasmatische männliche Sterilität) handelt es sich um eine spezielle Hybrid-Züchtung, die sich der Zellfusion bedient. Sie wird eingesetzt, um beispielsweise die Eigenschaft männliche Sterilität, die natürlicherweise in einzelnen Fällen vorkommen kann, gezielt auf Pflanzen zu übertragen, die nicht über sie verfügen. Hybridsorten sind in der ersten Generation der Nachkommen deutlich ertragreicher als herkömmlich gezüchtete Pflanzen – der so genannte Heterosiseffekt. Um ertragreiche Hybride zu erzeugen, wird die Vater- mit der Mutterlinie gekreuzt. Selbstbestäubung ist dabei jedoch auszuschließen. Deshalb darf die Mutterlinie keinen fruchtbaren Pollen bilden. Vereinfacht gesagt: CMS bewirkt, dass sich die Pflanzen nicht mehr selbst bestäuben – stattdessen wachsen die Erträge.