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Aus dem Leben einer Schäferin

24. Juni 2015
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Sandra Sanner ist Schäferin und kümmert sich um 600 Mutterschafe. Foto: Bioland

Sie könnte studieren und mal einen gemütlichen Bürojob haben. Stattdessen steht Sandra Sanner bei jedem Wetter draußen, macht Überstunden, schleppt schwer, alles für wenig Geld und wenig Perspektiven. Die 25-Jährige will Schäferin werden. Warum nur? Ganz einfach: weil Schafe glücklich machen.

"Melle, melle, melle." Sandra Sanner ruft und pfeift. "Melle, melle." Es klingt melodisch. Sie steht am Elektrozaun und versucht, ihre Schafe heranzulocken. Wenn Fremde dabei sind, trauen sich die Tiere nicht so recht. Sie stehen einfach da und starren uns an. Interessiert, aber abwartend. "Sie haben genug zu fressen, deshalb sehen sie nicht ein, warum sie sich bewegen sollten", sagt die 25-Jährige.

Wenn die Herde das Gras heruntergefressen hat, wird sie den Zaun wieder abbauen und ein Stück versetzen. So wandern die Schafe mit der Zeit über die Wiese. Koppelhaltung nennt man diese Art der Schäferei. Mit Wanderschäferei quer durchs Land hat das wenig zu tun. Die Weide, 18 Hektar sind es alles in allem, liegt in einem Naturschutzgebiet am Fluss Lippe in der Nähe von Wesel in Nordrhein-Westfalen. Bioland-Schäfer Achim Koop, Sandra Sanners Chef, hat das Gebiet gepachtet. In der Dingdener Heide, auch ein Naturschutzgebiet, hält er weitere Herden. 600 Mutterschafe insgesamt.