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Abfälle fahren im Meer Karussell

20. Februar 2015
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Geld & Wirtschaft
Natur & Umwelt
Tiere verenden, weil sie Plastikteilchen und -tüten im Wasser fressen. Foto: plasticontrol

Das globale Müllproblem ist bekannt. Dass die Ozeane als Müllkippe missbraucht werden, weiß man auch. Was das inzwischen für Ausmaße angenommen hat, lässt einen schaudern: Zwischen Hawaii und dem amerikanischen Festland treibt eine Plastikinsel so groß wie Mitteleuropa. Sie wiegt drei Millionen Tonnen. Kreisende Strömungen von Wind und Wasser sorgen dafür, dass der Müllstrom hier niemals versiegt. Es handelt sich hierbei aber weder um Abfallinseln oder auf Satellitenbildern erkennbare Müllteppiche, sondern eher um unter der Wasseroberfläche treibende wolkenartige Konstellationen von Schwemmgut.

Wirbel

Denn an bestimmten Stellen im Meer, wo Strömungen riesige Strudel bilden, sammelt sich Industrie- und Haushaltsmüll aller Arten – Plastik, Sammelbegriff für verschiedenste synthetische Werkstoffe, die seit rund 50 Jahren industriell hergestellt werden, schwimmt oben und verwest über Jahrzehnte hinweg nicht. Das schwimmende Material folgt komplexen Strömungswirbeln und wird, je nach Wetterlage, von der Wasseroberfläche in Tiefen von bis zu 30 Metern gespült. Bei stürmischer See sind generell fast keine Plastikobjekte auf der Meeresoberfläche zu sehen. Mit blossem Auge können von einem Schiff aus nur grössere Stücke wahrgenommen werden, und auch das nur bei geringer Fahrtgeschwindigkeit.

Dies ist einer der Gründe, weshalb das Phänomen der Plastikansammlungen in den Meeren lange nicht entdeckt wurde.Allerdings treiben längst nicht überall Plastikflaschen und Tüten auf der Wasseroberfläche. Man kann sich inmitten des großen pazifischen Müllstrudels (Great Pacific Garbage Patch – zuerst entdeckter Müllstrudel) befinden und weit und breit kein Plastikteil entdecken. Ein Großteil treibt in 100 bis 200 Metern Tiefe dahin. Langfristig sinkt der komplette Müll in untere Schichten – oder landet bestenfalls am Strand.

Die Strömungslage führt beispielsweise dazu, dass zeitweise Unmengen von Plastikschwemmgut an exponierte Strände auf Hawaii gespült werden. An gewissen Stränden überwiegt gegenwärtig das Plastik gegenüber dem natürlichen Sand, wie zum Beispiel auf dem als «Plastic Beach» bekannt gewordenen Kamilo Beach an der südwestlichen Spitze von Big Island. Insgesamt gibt es fünf solcher großer Müllstrudel.

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