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Bienen sind das drittwichtigste Nutztier überhaupt

20. September 2014
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Geld & Wirtschaft
Natur & Umwelt

Für Claudia und Gerhard Gerster vom gleichnamigen Sonnengut gehören Bienen auf jeden Bauernhof. Immerhin wachsen ein Drittel aller Lebensmittel ausschließlich dank ihrer Bestäubungsleistung. Deswegen gilt die Biene auch als drittwichtigstes Nutztier. Und doch verschwindet sie aus unserem Lebensumfeld. Die Gersters wollen das ändern. Sie machen sich stark für mehr biologische Vielfalt und setzen sich gegen das Bienensterben ein.

Die Bestäubungsleistung der Bienen ist für uns Menschen unverzichtbar.

"Wenn man erst einmal anfängt, kann man es nicht mehr lassen!", erklärt Claudia Gerster begeistert und wird freudig von ihren Mitbewohnern umschwärmt. Seit vier Jahren betreut sie sechs Bienenvölker, also etwa 300.000 Bienen, die auf dem Sonnengut Gerster in Dietrichsroda, einem kleinen Dorf im Burgenlandkreis, leben. Für Claudia und Gerhard Gerster sind die summenden Nutztiere ein Indikator für einen intakten Lebensraum und eine gesunde Landschaft. "Bis vor wenigen Jahrzehnten war es natürlich, dass auf jedem Bauernhof ein Familienmitglied Bienen hielt", erklärt Claudia Gerster. Das sei auch logisch, denn beispielsweise gebe eine Streuobstwiese ohne Bienen keine oder nur wenige Früchte.

Der steigende Einsatz von Pestiziden (sogar nach der Ernte) sowie von Saatgutbeizmitteln schwächt oder tötet die Bienen. Eine geschwächte Biene ist dann auch anfällig für die Varroa-Milbe – ein Parasit, der sich vom Blut der Insekten ernährt und dabei Vireninfektionen den Weg ebnet. Einige der Bienen müssen verhungern, denn die zurückgehende Artenvielfalt führt dazu, dass immer weniger Blüten wachsen und die Bestäuberinsekten vor allem im Spätsommer nur wenig Pollen-Nahrung finden.

"Gegen das Bienensterben können wir Bauern viel machen", erklärt Gerster und zählt verschiedene Maßnahmen auf: Zwischenfrüchte säen, Saatkugeln streuen, den Rasen wachsen lassen, einen Blühstreifen anlegen oder selbst Bienen halten und nicht zuletzt: Bildungsarbeit. Als Demonstrationsbetrieb sind auf dem Sonnengut Gerster regelmäßig Kindergarten- und Schulkinder zu Besuch. Sie können den "Bauernhof als Klassenzimmer" für thematische Projekttage nutzen. Wenn Claudia Gerster dann auf die Bienen zu sprechen kommt, erlebt sie meistens eine starke Neugier und Faszination der Kinder, die das Bienenvolk beobachten und Honig schlecken können. "Fangen sie an, sich mit Bienen zu beschäftigen, kommen sie nicht umhin, sich mit Landwirtschaft zu beschäftigen", freut sich Gerster.