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Naturland Marktgenossenschaft feiert Geburtstag

06. September 2014
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Natur & Umwelt
Naturland

Ein Vorreiter im Biomarkt hat Geburtstag: Die Marktgenossenschaft der Naturland-Bauern eG feiert am 7. September in Lippetal-Lippborg ihr 20-jähriges Bestehen.

Der Trend zu Bio ist ungebrochen. Im vergangenen Jahr stieg der Umsatz mit Biolebensmitteln um sieben Prozent auf 7,55 Milliarden Euro. Insbesondere Kartoffeln und Gemüse zählten mit einem Umsatzplus von 17 und 7 Prozent zu den Gewinnern im Bio-Segment. Nach Milch- und Molkereiprodukten stellt Biogemüse mit einem Anteil von elf Prozent derzeit das zweitwichtigste Segment im Biomarkt dar.

Der Erfolg in Zahlen

Maßgeblich beteiligt an der positiven Absatzentwicklung von Biokartoffeln und Biogemüse ist die Marktgenossenschaft der Naturland-Bauern in Lippetal-Lippborg. Die 41 Mitglieder der Genossenschaft produzierten vor 20 Jahren vorwiegend Biogetreide. Für die Belieferung des klassischen Lebensmitteleinzelhandels erweiterten die Landwirte im Jahr 1994 ihre Angebotspalette um Kartoffeln und Möhren und zählen seitdem zu den Vorreitern für den Absatz von Biogemüse im Lebensmitteleinzelhandel.

Das Sortiment umfasst Kartoffeln, Möhren, Zwiebeln sowie verschiedene andere Grob- und Feingemüsesorten. Im Geschäftsjahr 2012/2013 wurden rund 50.000 Tonnen Ware vermarktet und ein Umsatz von 31 Millionen Euro erzielt. "Über den Lebensmitteleinzelhandel konnte eine viel breitere Verbraucherschicht mit Bioprodukten erreicht werden", erzählt Franz Westhues, Geschäftsführer der Marktgenossenschaft. "Mit der Erschließung dieser Absatzwege haben wir für größere Absatzmengen die Türen geöffnet und damit die Ausweitung des ökologischen Land-baus unterstützt."

Seit 20 Jahren Bio mit Herz, Hand und Verstand

Den heimischen Ökolandbau voran zu bringen ist den Marktgenossen von Anfang an ein zentrales Anliegen. "Wir sind Naturland Partner aus voller Überzeugung und handeln ausschließlich Bioware. Dass ein Gemüsespezialist in unserer Größenordnung 100 Prozent Bio macht, ist im Markt einzigartig", so Westhues. Der durch große konventionelle Anbieter mit Öko-Sparte zunehmend aufgebaute Druck im Markt ist den Genossen daher ein Dorn im Auge. "Die Naturland Marktgenossenschaft konzentriert sich auf die Vermarktung von Verbandsware, und die ist im Anbau nun mal anspruchsvoller", erklärt Friedrich Bredtmann, Naturland Bauer und Mitbegründer der Marktgenossenschaft. "Wenn Handel und Verbraucher heimische Biolebensmittel von Betrieben wollen, die ausschließlich bio machen, dann muss das auch über den Preis honoriert werden. Sonst ist Ökolandbau für die Betriebe nicht mehr machbar und Rückumstellung wird ein Thema."

In Zukunft: Mehr heimisches Naturland Gemüse

Regionalität ist bei Lebensmitteln gefragt wie selten zuvor. Nach einer aktuellen Umfrage des Marktforschungsinstitutes Konkret bevorzugen 75 Prozent der Verbraucher regionale Lebensmittel. Rund 70 Prozent der Kunden erklären sich zudem bereit, dafür einen höheren Preis zu zahlen. Mit dem Ausbau eines heimischen Sortiments von Naturland zertifizierten Gemüsen und der Regionalisierung der Beschaffungs- und Vermarktungsstrukturen stellt sich die Marktgenossenschaft auch dieser neuen Herausforderung.

"In regionalen Bioprodukten für den Lebensmitteleinzelhandel liegt unsere Zukunft", prognostiziert Friedrich Dreckmann, Aufsichtsratsmitglied der Marktgenossenschaft. Mit dem 24-jährigen Ökolandwirt steht bereits die nächste Generation in den Startlöchern. Als Möhren-Lieferant war der elterliche Hof im westfälischen Welver-Dinker von der ersten Stunde an dabei. Nun hat Jungbauer Dreckmann den Anbau um Feingemüse wie Pastinaken und Wurzelpetersilie erweitert. "Die Nachfrage steigt und ist immer noch viel größer als das Angebot. Der Lebensmitteleinzelhandel benötigt Spitzenware und ein hohes Maß an Professionalität", weiß der ausgebildete Gärtner mit Schwerpunkt Gemüsebau. Mit kontinuierlicher Lieferung, steigenden
Qualitäten und Mut zu neuen Kulturen will Friedrich Dreckmann das regionale Potenzial zukünftig weiter ausschöpfen.

"Regionalität ist ein ureigenes Thema des Ökolandbaus, das unsere Branche in den Jahren des schnellen Marktwachstums ein bisschen aus den Augen verloren hat", resümiert Franz Westhues. "Wir möchten da jetzt wieder stärker hin und machen mit einem sehr engagierten Handelspartner die Erfahrung, dass es auch geht." Die Marktgenossenschaft ist seit 2013 in einem vom Land Nordrhein Westfalen unterstützten Bio-Regionalprojekt in Ostwestfalen Lippe erfolgreich als regionaler Bündler für Biogemüse tätig.