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Jugendliche handeln nicht umweltbewusst

18. April 2012
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Energie & Technik

Eine Umfrage der GfK und des Ökoenergieversorgers Polarstern zeigt, dass Jugendliche ein zukunftsorientiertes Handeln zwar als wichtig erachten. Auch sagen über 67 Prozent der 14- bis 19-Jährigen, dass sie Menschen interessant finden, die über das eigene Leben hinaus Verantwortung übernehmen. Aber praktische Beiträge zum Schutz von Klima und Umwelt sind bei ihnen im Alltag nur wenig angesehen.

Dinge wie zum Beispiel den Müll trennen oder Energie sparend kochen und abwaschen kommen nur bei 37 Prozent gut an. Vielmehr bestimmt der Konsum ihr Leben. 74 Prozent der Jugendlichen finden ein ausgesprochenes Trendbewusstsein attraktiv. Ein ähnliches Bild zeigt sich beim Thema Luxus. Darauf steht immerhin über die Hälfte. Wer hingegen an Fair Trade-Produkte denkt, ist nur für weniger als ein Viertel der Jugendlichen interessant. Insgesamt schätzt rund ein Drittel von ihnen die Bedeutung des eigenen Beitrags zur Energiewende als gering ein. Angesichts der komplexen Herausforderung sehen sie vor allem die Politik und die großen Konzerne in der Pflicht, die Themen anzustoßen.
Laut Dr. Edgar Göll vom Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung ist es zum einen eine lebensalterabhängige Positionierung. Hinzu kommt aber, dass das Umweltbewusstsein „diffundiert“ ist und dadurch Anknüpfungspunkte für das eigene Handeln schwer ersichtlich sind. „Schließlich geht es nicht isoliert um ‚den’ Schmetterling oder ‚den’ Delphin. Der Umweltzustand wird vielmehr sowohl mit anderen Aspekten in Beziehung gesetzt, sozusagen in den Alltag übersetzt, als auch als globaler Gesamtzusammenhang gesehen, wie beim Beispiel Klimaschutz.“ Angesichts dieser Situation die Hände in den Schoß zu legen und auf Einsicht mit dem Alter zu warten, ist laut Göll die falsche Folgerung. Denn „diese Lebensphase ist bedeutsam für die lebensweltlichen Entwürfe“. Entsprechend soll Jugendlichen der Zugang zu nachhaltigen Themen erleichtert werden. Eine zentrale Rolle sieht Edgar Göll in der Nachhaltigkeitskommunikation.
Jugendliche und junge Erwachsene brauchen Vorbilder und die richtige Ansprache
Was läuft in der Nachhaltigkeitskommunikation schief, hat Polarstern den Soziologen Dr. Edgar Göll gefragt. Eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes* an der Göll mitgewirkt hat sieht passende Zugänge und milieuspezifische Anknüpfungspunkte als wichtige Ansatzpunkte. Es fehlen heutzutage zielgruppenspezifische Anreize zu praktikablen Verhaltensalternativen, die in den Lebenswelten der Jugendlichen auch direkt umsetzbar sind, so die Erkenntnis der BMU-Studie. Das heißt, junge Menschen müssen besser erreicht, motiviert und mobilisiert werden. Denn richtig angesprochen sind sie durchaus interessiert und auch bereit, sich zu engagieren. „Erfolgversprechend sind Angebote, deren Wirkung hier und heute sichtbar sind und die im jugendlichen Verständnis als cool gelten“, erklärt Edgar Göll. Auch thematisch muss das Handlungsangebot den Interessen der Jugendlichen noch besser entsprechen. Wichtig ist jungen Leuten vor allem, dass Umweltschutz nicht zu viel Aufwand bedeutet, sondern nebenher passieren kann. Und er soll Spaß machen. CarrotMobs etwa, bei denen sich Jugendliche online zu gemeinsamen Nachhaltigkeits-Aktionen verabreden, sind laut Göll eine gute Möglichkeit, ihr Engagement zu mobilisieren. Aber „den Hebel“, um junge Menschen unterschiedlicher Milieus zu erreichen, gibt es nicht. „Gute ‚Andockstationen’ sind sicherlich Schulen oder auch Vereine und natürlich Social Media-Kanäle. Hier wird mehr oder weniger bewusst Verhalten und Einstellung ausprobiert“, sagt Göll.
Die GfK-Umfrage im Auftrag von Polarstern kommt außerdem zu dem Ergebnis, dass für 70 Prozent der Jugendlichen Vorbilder wichtig sind, um große Herausforderungen wie zum Beispiel die Energiewende anzugehen. „Hier haben Menschen im direkten Umfeld der Jugendlichen die größten Einflussmöglichkeiten“, sagt Florian Henle, Mitgründer von Polarstern. Neben der Werteerziehung durch die Eltern, die schon im frühen Kindesalter beginnt, gewinnt bei den Jugendlichen der eigene Freundeskreis an Bedeutung.