Back to top

Vielfalt der Pflanzenarten nutzen

17. September 2014
 | 
Geld & Wirtschaft
Natur & Umwelt

Laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) könnte mehr Vielfalt auf unseren Tellern herrschen: Es gibt auf der ganzen Welt 250.000 bis 300.000 bekannte essbare Pflanzenarten. Der Mensch nutzt davon allerdings nur 150 bis 200! Weit mehr als die Hälfte der Kalorien und Proteine, die weltweit konsumiert werden, kommen sogar von nur drei Pflanzen, nämlich von Reis, Mais und Weizen.

Es gibt also noch sehr viel Potenzial bei der Erweiterung unseres Speiseplans. Ein größerer Reichtum an pflanzlichen Lebensmitteln ist nicht nur wegen der Nährstoffe wünschenswert, sondern auch geschmacklich gibt es viel zu entdecken. Aus diesem Grund engagieren sich VEBU und EVU (European Vegetarian Union) gemeinsam dafür, Informationen über dieses Potenzial auch den politisch Verantwortlichen in der EU zu vermitteln.

Die Europäische Kommission hat einen Gesetzesvorschlag ausgearbeitet, der sich mit sogenannten „Novel Food“, neuartigen Lebensmitteln, beschäftigt und ein älteres Gesetz von 1997 ersetzen soll. Unter „Novel Food“ versteht man Lebensmittel, die bisher in der EU nicht in nennenswertem Umfang konsumiert wurden und für die eine Sicherheitsbewertung verlangt wird, bevor sie in der EU vermarktet werden dürfen. Die Kommission will das Zulassungsverfahren für diese Lebensmittel auf dem europäischen Markt vereinfachen. Dies ist auch ganz im Sinne von vegan-vegetarisch lebenden Menschen, die sich schon oft für neue pflanzliche Produkte begeistern ließen. So sind zum Beispiel die südamerikanischen Chiasamen sowie die Fleischalternative „Quorn“, die aus einem bestimmten Pilz hergestellt wird, mittlerweile in unseren Supermarktregalen zu finden.

Einige Aspekte des Gesetzentwurfs könnten jedoch verbessert werden. Deshalb haben sich VEBU und EVU an die Kommission und das Europäische Parlament gewandt. In dem Schreiben wird kritisiert, dass die Definition von neuartigen Lebensmitteln zu weit gefasst ist. Die Konsequenz kann sein, dass mehr pflanzliche Produkte von der Zulassungspflicht betroffen sind und dadurch der Marktzugang für diese erschwert wird, weil viel Zeit und Geld für eine Sicherheitsbewertung investiert werden müssen. Diese ist für pflanzliche Nahrungsmittel meist ganz überflüssig. Außerdem bemängeln VEBU und EVU, dass nicht auf die Umwelteinflüsse von „Novel Food“ eingegangen wird. Da pflanzliche Nahrungsmittel häufig eine gute Umweltbilanz haben, sollte dies bei den Kriterien der Zulassung berücksichtigt werden. Das passt schließlich auch zu anderen Zielen der EU, wie Nachhaltigkeit zu stärken und Umweltverschmutzung zu reduzieren.